„Dieses Licht habe ich nur jetzt.“

In einem Hinterhof am Kieler Wilhelmplatz steht eine große Tür offen. Im Raum dahinter befindet sich die Niederdeutsche Bühne Kiel. Dort proben die DarstellerInnen bei Hitze mit einer Kfz-Werkstatt als Nachbar, aus der es immer wieder ordentlich klötert.

Wir wurden schon erwartet und dürfen gleich ein bisschen Theaterluft schnuppern. In der Pause führt uns Dr. Rainer Hansen, Autor, Regisseur und Manager des Noldeprojektes, herum und erklärt uns das neue Theaterprojekt. Unter anderem hat er auch schon „Faust“ und „Kabale und Liebe“ inszeniert.

Emil Nolde war ein sehr umstrittener, norddeutscher expressionistischer Maler. Sein Leben wird in diesem Herbst zum ersten Mal auf eine Theaterbühne gebracht. Das Ensemble betritt damit absolutes Neuland und kann sich schon jetzt einer großen Aufmerksamkeit gewiss sein. In fünf Bildern (Akten) lernt das Publikum Nolde als Künstler, Menschen und auch Ehemann kennen und kann sich so ein eigenes Bild von dem widersprüchlichen „Menschen hinter dem Künstler oder dem Künstler hinter dem Menschen“ machen.

Die Protagonisten des Stücks werden verkörpert von Horst Stenzel als Emil, Finja Sannowitz als Ada sowie Juan José Cortés Alor, Mona Müller, Anja Rochau und Lasse Wagner in verschiedenen Rollen. Zusammen bilden sie ein buntes, dynamisches und enthusiastisches Ensemble aus Berufs- und Amateurschauspielern.

(v.l.) Finja Sannowitz, Dr. Rainer Hansen (Autor und Regiesseur), Horst Stenzel, Lasse Wagner, Heidi Lassen (Regieassistenz), Mona Müller

Die Idee für ein Theaterstück über den Künstler Emil Nolde hatte Rainer Hansen bereits Anfang der 1970er Jahre, jedoch wurde das Drehbuch erst im Sommer 2018 fertig geschrieben. Viele Zitate finden sich in einzelnen Szenen wieder, um die Figuren möglichst authentisch darzustellen und nah an Noldes Biographie zu bleiben. „Wir arbeiten an High Noon Momenten“, erklärt uns der Regisseur und manche Szenenbilder bereiten uns schon bei der Probe einen Gänsehaut-Moment.

Das Theaterstück trägt den Namen „Triumph der Farben“ und ist eine dramatische Biographie des Künstlers Emil Nolde. Nolde war Maler aus Leidenschaft. Schon als Kind konnte er sich nur solch ein Leben vorstellen. Sein Ehrgeiz und der unbedingte Wille, Menschen mit seinen Bildern zu faszinieren, zeichneten ihn aus. Er hatte aber auch viele Widersprüche in sich: Nolde galt in der Zeit des Nationalsozialismus als entarteter Künstler, gleichzeitig war er ein Antisemit und Anhänger Hitlers. Er wollte, dass Hitler seine Kunst liebt, trotzdem hat er expressionistisch gemalt und folgte nicht dem Leitbild der „Deutschen Kunst“. Nolde steht in einem Konflikt zwischen zwei Identitäten: Die des Menschen und die des Künstlers. Seine Frau Ada war bis zu ihrem Tod ein Katalysator für Emil Noldes Seelenleben. Auch diese Stimmungen fängt das Stück ein. Einige der berühmtesten Werke Noldes werden während der Vorstellung auf eine Leinwand projiziert.

Finja Sannowitz
(v.l.) Horst Stenzel, Dr. Rainer Hansen (Autor und Regiesseur), Lasse Wagner, Finja Sannowitz, Mona Müller

Die Premiere dieser besonderen Inszenierung ist am 4. September in Kiel. Am 23. und 24. Oktober wird „Triumph der Farben“ in der Stadthalle Niebüll zu sehen sein. Die Anzahl der Karten ist begrenzt und der Vorverkauf findet in der Bücherstube Leu statt. Das Bild, das man von Emil Nolde vielleicht hat, wird sich nach diesem Stück sicherlich etwas verschieben, daher lohnt der Besuch allemal. Freut Euch auf ein Stück Zeitgeschichte aus dem Norden, auf die Liebesgeschichte eines Malers und wie die Schauspieler auch gesagt haben: „Endlich wieder Theater!“

Mehr über das Noldeprojekt könnt Ihr hier nachlesen: www.noldeprojekt.de


Titelbild

Emil Nolde
Heiliges Feuer, Aquarell
© Nolde-Stiftung-Seebüll

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