Können wir uns einen Geburtstagskuchen komplett nur mit Zutaten aus Fairem Handel backen? Oder wenigstens nur mit fairen, regionalen und bio Zutaten?

Machen wir einen Apfelkuchen: Die Äpfel sind aus dem eigenen Garten. Zucker, Zimt und Vanille bekommen wir fairtrade, Butter, Eier, Mehl und Zitrone gibt es in Bio-Qualität und zum Teil von regionalen Produzent:innen. Für eine vegane Variante müssen wir Butter und Eier ersetzen. Da wird es dann schon schwierig den Anspruch zu erfüllen. Kaffee und Tee dazu gibt es eh fairtrade und Kuhmilch oder Pflanzenmilch in bio. Somit steht einem standesgemäßen Geburtstagskaffeekränzchen nichts im Weg und wir können, heute am 19. März, 4 Jahre Fairtrade Town Niebüll feiern! In diesem Geburtstagskränzchen steckt also auch die Arbeit von Menschen aus dem globalen Süden drin, die für die Kaffeeernte oder den Anbau von Vanille und Zimt ein gerechtes Einkommen unter guten Arbeitsbedingungen erhalten, deren Kinder zur Schule gehen können, anstatt für diese Arbeit ausgebeutet zu werden und die auch unter ökologischen Gesichtspunkten nachhaltig ist. Die ist jedoch immer noch die Ausnahme. Dies zu ändern und die gesamte Lieferkette eines Produktes oder Rohstoffes gerechter und fairer zu gestalten ist eine Motivation auch für Stadt, sich an der Fairtrade Towns Kampagne von Trans Fair Deutschland zu beteiligen.

Fairer Handel bietet Kleinbäuer*innen und Arbeitnehmer*innen im globalen Süden die Chance auf gerechteres Einkommen und verbesserte Arbeitsbedingungen (Sozialstandards, keine Kinderarbeit, Arbeitsschutz etc.). Als Fairtrade Town zertifizierte Stadt unterstützt Niebüll die Grundsätze des Fairen Handels mit den Möglichkeiten, die sich vor Ort und in Kooperation mit der Zivilgesellschaft ergeben, ganz im Sinne der Agenda 2030 und der 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Heute, am 19.03.2021, ist die Stadt Niebüll bereits seit 4 Jahren als Fairtrade Town zertifiziert. Die Kampagne der Fairtrade Towns wird von der Organisation Transfair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt organisiert. Mittlerweile gibt es 731. Fairtrade Towns in Deutschland. Niebüll war vor 4 Jahren die 466. und gleichzeitig nördlichste Fairtrade Town Deutschlands. Saarbrücken war im Jahr 2009 die erste Stadt, die das Fairtrade Town Siegel tragen durfte. Als nördlichste Fairtrade Town Deutschlands und 16. in Schlesw identifiziert sich die Stadt Niebüll sichtbar mit den Zielen des fairen Handels. Für die Auszeichnung zur Fairtrade-Town mussten wir in Niebüll nachweislich fünf Kriterien erfüllen, die das Engagement für den fairen Handel auf verschiedenen Ebenen einer Kommune betreffen.

Diese fünf Kriterien sind (Quelle: fairtrade-towns.de):

– ein Ratsbeschluss (Die Kommune verabschiedet einen Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels. Bei allen Sitzungen des Rates und der Ausschüsse sowie im (Ober-)Bürgermeister*innenbüro wird fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel ausgeschenkt.
– Steuerungsgruppe (Eine Steuerungsgruppe wird gebildet, die auf dem Weg zur Fairtrade-Town und darüber hinaus die Aktivitäten vor Ort koordiniert. Diese Gruppe besteht aus mindestens drei Personen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft.)
– Produkte (In den lokalen Einzelhandelsgeschäften und bei Floristen sowie in Cafés und Restaurants werden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten. Richtwert ist hier die Einwohnerzahl.)
– Zivilgesellschaft (Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine und Kirchen-/Glaubensgemeinden setzen Informations- und Bildungsaktivitäten zu fairen Handel um und bieten Produkte aus fairem Handel an.)
– Medien und Öffentlichkeitsarbeit (Die Steuerungsgruppe macht Öffentlichkeitsarbeit über die Aktivitäten zum Thema Fairtrade in der Kommune. Die lokalen Medien berichten über die Ereignisse vor Ort.)

Zur Steuerungsgruppe in Niebüll gehören Anna Lena Ihme vom Evang. Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland, Holger Heinke vom Stadtmarketing Niebüll, Birgit Thode-Reiter vom Weltladen Niebüll, Kurt-Heinz Jappsen von der CDU-Fraktion, Katinka Widmayer vom Kulturbüro Niebüll, Lars Petersen, Lehrer an den Beruflichen Schulen in Niebüll, eine Vertreter:in der Fairtrade Schule – Friedrich Paulsen Schule und eine Vertreter:in des Niebüller Kinder- und Jugendbeirats der Stadt Niebüll und Jutta Block von den Niebüller Landfrauen. 

In der Vergangenheit hat die Steuerungsgruppe bereits mehrere Infostände organisiert, bei verschiedenen Veranstaltungen wurden fair gehandelte Produkte verwendet und man hat an den landesweiten und Netzwerktreffen und Treffen der fairen Westküste teilgenommen.
Aktivitäten:  
– Infostände zu Verkaufsoffenen Sonntagen mit Stoffbeuteln zum Bemalen, Schokoschätzspiel, fairen Rosen, einem fairen Gewinnspiel und Schokolade zum Probieren.
– Weltladen Niebüll bringt Fairen Niebüll Kaffee heraus
– Teilnahme an Netzwerktreffen
– Weihnachtsengelaktion mit fairer Schokolade in der Klinik Niebüll seit 2015
– Unterstützung der Initiative „Make Chocolate Fair!“, u.a. durch Bannerausstellung beim Niebüller Osterhasenalarm seit 2017 und aktuell mit einer eigens gestalteten Osterpostkarte.
– Teilnahme an der World Fairtrade Challenge 2017 mit einer Fahrradsattelüberzug-Aktion
– Bewerbung um den Fairtrade Award 2018 mit dem Projekt „Der-doppelt-so-gute-Adventskalender“ und Bewerbung um den Titel „Hauptstadt des Fairen Handels 2019“
– Teilnahme an der Rosenaktion seit 2018 zum Internationalen Frauentag
– Die Friedrich-Paulsen-Schule wird als Fairtrade School zertifiziert (06.Juli 2017), Workshop zur Projektwoche 2019
– Teilnahme an der Fairen Woche seit 2018
– Goallegen Cup mit fairen Fußbällen ausgestattet
– Erstellung eines Flyers
– Ausstellung „Ich mache deine Kleidung! Starke Frauen aus Süd Ost Asien“ im Frühjahr 2020

Birgit Thode-Reiter erklärt, warum Fair Einkaufen im Weltladen so wichtig ist:
Gelebte Solidarität in Zeiten der Pandemie
Seit nunmehr einem Jahr beherrscht das Virus unser Denken und Fühlen, unseren Alltag und unser gesellschaftliches Miteinander.  Diejenigen aber, die in Afrika, Asien und Lateinamerika ohnehin bereits in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen leben, trifft die Corona-Krise besonders stark. Die Kooperativen, die wir normalerweise durch unseren Verkauf im Weltladen unterstützen, haben eine schwere Durststrecke zu durchlaufen.
Aus Nepal und Mittelamerika konnten wir über Monate keine Ware beziehen, weil die Produktion und die Verschiffung zum Erliegen gekommen war. Ohne Arbeit und Einkommen war und ist die Lage für viele Kleinbauern und Kunsthandwerker in diesen Ländern unter Corona-Bedingungen damit nicht nur gesundheitlich bedrohlich, sondern existenzgefährdend – zumal staatliche Unterstützung ausbleibt.

Umso wichtiger ist es, dass die Fair-Trade-Importeure – anders als viele konventionelle Händler – alle laufenden Bestellungen aufrechterhalten haben und weiterhin Vorauszahlungen leisten. Um besonders betroffene Partner zu unterstützen, wurde darüber hinaus vom Weltladen-Dachverband die Aktion „fairwertsteuer“ ins Leben gerufen. In diesen Fonds haben die beteiligten Weltläden die reduzierte Mehrwertsteuer des letzten Halbjahres eingezahlt. 600,- € konnten wir in Niebüll dank der Verkäufe im Weltladen in diesem Rahmen spenden. Deutschlandweit sind mittlerweile 500.000 € zusammengekommen und bereits als Nothilfe an verschiedene Fairhandelspartner weltweit weitergegeben worden. So konnte beispielsweise die Kooperative „Get Paper Industries“ in Nepal, die Papeterie-Produkte herstellt, mit 3000,- € unterstützt und damit die Grundversorgung der 97 Mitarbeiter-Familien vorübergehend sichergestellt werden. Über diese akute Nothilfe hinaus brauchen unsere Fair-Handels-Produzenten aber regelmäßige Aufträge, um ihr Einkommen und die Existenz ihrer Familien langfristig zu sichern. Jeder Einkauf im Weltladen stärkt den Fairen Handel und schafft Stabilität und Perspektiven für Menschen, die in diesen Krisenzeiten auf unsere solidarische Unterstützung angewiesen sind.
Ihr Kauf zählt.

(Fotocredit: Get Paper Industrie, Nepal )

Ganz aktuell haben wir eine online Umfrage gemacht, wie wir zukünftig als Fairtrade Town weiterarbeiten möchten. Das Thema Kommunikation ist auch hier ganz wichtig, nach dem Leitsatz „Tue Gutes und rede drüber.“ Wir möchten aber auch zukünftig einen regelmäßigeren Austausch und eine längerfristige Planung auf die Beine stellen. Die Auseinandersetzung mit den Themen des Fairen Handels ist so vielfältig, dass sich für uns viele Möglichkeiten ergeben werden, weiter für den Fairen Handel zu werben. Fairtrade ist einer der bekanntesten Begriffe, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Hier können wir ansetzen und einen regelmäßigen Austausch über die lokale und kommunale Umsetzung der Globalen Nachhaltigkeitsziele SDGs insgesamt zu initiieren. Zu diesem Austausch laden wir schon jetzt herzlich ein. Wer Interesse hat schickt gerne eine Mail an fairtrade@niebuell.de. Niebüll hat übrigens seine zweite Rezertifizierung erfolgreich durchgeführt und ist mindestens bis 2023 Fairtrade Town.

Zum Thema Geburtstag der Fairtrade Town gibt es am Sonntag einen zweiten Beitrag. Wir haben Melanie Weigel interviewt, die durch ihre Petition für fairen Kaffee in den Zügen der Deutschen Bahn dem Fairen Handel viel Aufmerksamkeit gebracht hat.

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