Der Niebüller Osterhasenalarm ist für das Stadtmarketing Niebüll und somit auch für mich eigentlich das Veranstaltungshighlight des Jahres.

(Das Titelbild zeigt das Hasenteam der Niebüller Jugendfeuerwehr aus 2018)

Normalerweise ist der Ablauf seit 2005 so:
Alle großen und kleinen Besucherinnen und Besucher erwartet ein fröhliches und hasenmäßiges Treiben, wenn sie am Ostersamstag, ab 10.00 Uhr zur besten Wochenmarktzeit in die Niebüller Innenstadt kommen. An die 90 Niebüller Stadthasen hoppeln durch die ganze Stadt und verteilen tausende hart gekochte, bunt gefärbte Eier. Die Innenstadt ist mit Schleifen und großen gelben Holzeiern geschmückt.

In der Niebüller Hauptstraße können sich Kinder unter dem Motto „Schlag den Hasen“ bei kleinen Spielen und Aktionen die Zeit bis zum großen Hasenfinale um 12.30 Uhr auf dem Rathausplatz vertreiben. Es gibt Bobby-Car, Hasengolf, eine Fotoshooting mit der Jugendfeuerwehr, Schminken und einiges mehr. Moderiert wurde das Spektakel in den letzten Jahren immer von Andreas Rackow. Dann werden unter allen teilnehmenden Kindern attraktive Preise verlost. Für einen guten Sound sorgt traditionell die Kapelle „Jazz oder nie“ aus Kappeln. Die mobile Hasenteams sind in der Stadt unterwegs und verteilen Eier in den Gewerbegebieten, dem Krankenhaus, den Seniorenwohnheimen, den Wohnheimen der Mürwiker und wenn sie dürfen auch gerne im Hospiz.
An sich ist das eine runde, bzw. eiförmige, Sache. Tausende Besucher:innen kommen gut gelaunt zusammen und der Einzelhandel und die Mitgliedsbetriebe unseres Handels- und Gewerbevereins Niebüll e.V. haben einen umsatzstarken Tag.

Seit letztem Jahr ist das anders. Keine Hasen hoppeln. Ostern ist in Niebüll nicht mehr das, was es mal war, jedenfalls für mich und die vielen freiwilligen Hasen. Wir haben Distanzangebote erdacht, verschicken Ostergrüße und machen Malwettbewerbe. Nächstes Jahr wird hoffentlich alles wieder hasenmäßig sein.

Worauf ich aber hinaus möchte ist, dass wir versuchen, diese Veranstaltung Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten:

Seit Jahren verteilen unsere Hasen nur noch fairtrade zertifizierte Schokotaler anstatt konventioneller Schokolade.

Unser Gastronomiestand verwendet selbstverständlich kein Einwegplastik, was unsere städtische Satzung zur Müllvermeidung bei Veranstaltungen auch gar nicht mehr zulassen würde.

Unsere Hasen sind inklusiv. Alle Menschen dürfen ins Kostüm schlüpfen, ganz gleich, ob sie in irgendeiner Art eingeschränkt  sind (Ich hoffe, diese Formulierung ist ok.).

Die Eier, die wir verteilen, haben wir zunächst nach der Maßgabe günstig eingekauft. Sie kamen beispielsweise aus Bodenhaltung einer Tochterfirma von Wiesenhof. Dieser Zustand hat mich irgendwann aus Gründen des Tierwohls unzufrieden gemacht. Ich habe einen Betrieb gesucht, der mir 5.000 hart gekochte, bunte gefärbte Eier in Bio-Qualität aus Freilandhaltung verkauft. Fündig wurde ich schließlich bei einem Bioland zertifizierten Hof in Süddeutschland. Gestört hat mich dann daran, dass ein Lkw für den Transport der Eier 1.500 km zurücklegen musste, Hin- und Rückweg berechnet. Also habe ich für den Transport eine CO2-Ausgleichszahlung bei der Klima-Kollekte bezahlt. Das war 2019. Mittlerweile hinterfrage ich, überhaupt Eier zu verteilen, weiß aber auch, dies so viel zum Gelingen der Veranstaltung beiträgt. Viele Menschen lieben es, von unseren Stadthasen ein Ei geschenkt zu bekommen. Eventuell werden wir testweise im kommenden Jahr einen Teil der Hühnereier durch regional produzierte Seifen-Eier ersetzen.

Besonders am Herzen liegt uns die Unterstützung der Kampagne Make Chocolate Fair! der Entwicklungsorganisation INKOTA e.V. Sie setzt sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für Kakaobauernfamilien ein. Die Kampagne fordert von der Schokoladenindustrie faire Kakaopreise, das Ende ausbeuterischer Kinderarbeit und eine nachhaltige Landwirtschaft. Im Bewusstsein Konsum kritisch zu hinterfragen ist die Osterzeit, neben der Weihnachtszeit, eine Zeit des übermäßigen Schokoladenangebotes und –konsums. Ein Großteil des Kakaos für die Osterschokolade wird nach wie vor unter unfairen Bedingungen angebaut. Unsere Stadthasen machen beim Osterhasenalarm an einem Infostand immer wieder darauf aufmerksam und kommen mit den Menschen darüber in Kontakt. Als weiteren Beitrag haben wir dieses Jahr eine Osterkarte von der Illustratorin Meike Töpperwien gestalten lassen. Pro verkauften Karte spenden wir 1 € an die Kampagne Make Chocolate Fair!

In diesem Jahr heißt die Osteraktion „Keine faulen Eier im Lieferkettengesetz!“. INKOTA fordert die Bundesregierung auf, sich für ein starkes Lieferkettengesetz einzusetzen, das die Menschenrechte in globalen Lieferketten wirksam schützt. Zur Aktion gibt es „Faule Ostereier“ zum Basteln, die an Bundestagsabgeordnete verschickt werden soll. Wir laden alle herzlich ein, INKOTA hier zu unterstützen.

Wir wünschen uns, ganz bald wieder mit vielen Menschen den Niebüller Osterhasenalarm feiern zu können, ohne dass dies auf Kosten anderer geht!

Allen eine frohe und vor allem gesunde Osterzeit, auch ohne unsere Stadthasen!

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