Dieses Jahr findet vom 5.9. bis zum 26.9.2021 zum ersten Mal der internationale Niebüller Orgelherbst statt. Er besteht aus einer Reihe von vier Orgelkonzerten, die in diesem Zeitraum jeweils Sonntags um 19 Uhr in der Christuskirche gespielt werden. Bei jedem Konzert spielt ein anderer Organist, wobei jeder aus einer anderen Region kommt, und mindestens ein Stück aus seiner Heimat mitbringen soll.

Den Auftakt machte Frankreich, vertreten durch Michael Matthes aus Paris. Der Organist studierte neben der Orgel noch Harmonielehre, Fuge, Orchestrierung und Kompisition. Außerdem war er 18 Jahre lang Kathedralorganist in Troys, seit 2019 ist er Titularorganist der Kirche St.German l’Auxerrois in Paris und seit vielen Jahren immer wieder als Solist auf Reisen.

Matthes brachte fast ausschließlich französische Komponisten wie Boley, von dem eine Fantasie und eine Fuge gespielt wurden oder Gigout und Dubouis, von denen jeweils ein Toccata und ein weiteres Stück gespielt wurden, aus Paris mit. Natürlich durfte trotz des Schwerpunkts auf der französischen Romantik Bach nicht fehlen; aus seiner Feder bekam man eine Sinfonie und eine Arie zu hören.

Die Stücke waren trotz der Gemeinsamkeiten Herkunft und Epoche betreffend sehr unterschiedlich und reichten von pompöser Herrlichkeit bis zu sanften Arien und haben so die Vielfalt der Orgel hervorgebracht.

Das darauffolgende Konzert war unserem Nachbarn Dänemark zu verdanken. Der Organist Christian Kampmann Larsen studierte in Odense und ist seit seinem Orgelkonzert-Debüt 1985 weltweit als Solist tätig. Sein Programm bestand aus deutschem und dänischem Repertoire, was die Deutsch-Dänische-Freundschaft darstellen sollte.

Ein relativ junges Stück, 1975 von Leif Kaiser komponiert , soll die Kirchenfenster einer Kathedrale in Kopenhagen vertonen. Da die drei Teile, die jeweils ein Fenster darstellen sollen, sehr unterschiedlich klingen, stellt man sich glatt die Frage, welche Kirchenfenster gemeint seien und wie die der Niebüller oder Deezbüller Kirche klingen könnten.

Das dritte Konzert wurde vom Organisten der Pauluskirche in Ulm gespielt. Von Philip Hartmann ausgewählt war unter anderem der deutsche Komponist Andreas Willscher, der eine Fanfare über Gaida, den Orgelbauer, der die fantastische Ulmer Orgel gebaut hat, schrieb. Der Name „Gaida“ zieht sich in Form des Themas aus den Tönen G, Ais (B), D und A durch das ganze Stück und endet in einem feierlichen G-Dur Akkord.

Die drei Konzerte, die man bis jetzt hören konnte, waren geprägt von Abwechslung und hoher Virtuosität. Seit dem ersten Konzert hege ich insgeheim auch den Glauben, das Organisten vier Hände haben müssen.

Das letzte Konzert wird am 26.09., also diesen Sonntag, wieder um 19 Uhr in der Christuskirche  stattfinden. Von unserem ortseigenen Kirchenmusiker Hartmut Siebmanns wird ein sehr abwechslungsreiches Programm mit Stücken von Barock bis Moderne gespielt, die sich unter der Thematik (Nord-)Deutschland einen.

Der Organist studierte in Düsseldorf an der Robert-Schumann-Hochschule nicht nur Kirchenmusik, sondern auch Instrumentalpädagogik und später in Essen gezielt Orgel. Außerdem belegte er viele Meisterkurse, unter anderem in ganzheitlicher Kinderchorleitung, und ist zudem seit langer Zeit als Orgel- und Cembalosolist tätig. Seit Juni 2020 ist er als Kirchenmusiker für die Christuskirche Niebüll und die Apostelkirche in Deezbüll zuständig und leitet mit diesen Erfahrungen nun einige musikalische Projekte, wie den internationalen Niebüller Orgelherbst.

Hartmut Siebmanns und Philip Hartmann

Die Idee einer internationalen Orgeljahreszeit klingt erst einmal sehr ausgefallen, besonders wenn die Worte „international“ und „Niebüll“ so eng miteinander in Verbindung gebracht werden. Eine der Motivationen hinter dem Projekt ist, das die „Leute […] nicht nur Vielfalt der Orgel, sondern auch der Orgelmusik kennenlernen“ sollen. Tatsächlich hat Siebmanns schon in vielen Gemeinden, in denen er wirkte, diese Art von Projekt veranstaltet. Dass die Pastor*innen von Niebüll sich von Anfang an ein eigenes Festival wünschten, war dann umso schöner. Die nächste Frage, die sich einem stellt, ist, wie man es schafft, so viele hochkarätige Künstler dazu zu bewegen, in der eher kleinen Christuskirche ein Konzert zu spielen. Die Antwort ist: langjährige Freundschaft unter Kollegen; wie bei jeder Freundschaft gehören gegenseitige Besuche irgendwann einfach mit dazu und werden gern unternommen.

Die Orgel in der Christuskirche

Die Orgel ist das größte Instrument und erzeugt ihre Töne mit Pfeifen. Diese Pfeifen können unterschiedlich miteinander kombiniert werden, sodass verschiedene Klangfarben produziert werden können. Damit hat die Orgel ein sehr breites Klangspektrum, das an die Vielfalt eines Sinfonieorchesters heran kommen kann. Die diesbezüglichen Möglichkeiten einer Orgel hängen von der Anzahl ihrer Register ab. Die Niebüller Orgel hat zum Beispiel 21 Register, die über die zwei Manuale und die Pedale zusätzlich noch miteinander kombiniert werden können. Die Manuale sind wie zwei verkürzte Klaviaturen, die etwas übereinander versetzt angeordnet sind und die Pedale sind wie ein Manual für die Füße. Beim Orgelspielen ist also eine Menge Multitasking gefragt!

Die Niebüller Orgel zählt in gewisser Art und Weise auch mit zur Stadtgeschichte. Die momentane Orgel in der Christuskirche stammt zwar eigentlich von 1972, zur Herstellung der Orgelpfeifen wurden aber die vorherigen Zinkpfeifen mitverwendet.

Und nicht vergessen! Am Sonntag hat die Christuskirche bis 19 Uh wieder ihre Türen für den Abschluss des internationalen Niebüller Orgelherbstes geöffnet und ist einen Besuch auf jeden Fall wert!

Ein Gastbeitrag von: Ayan Osman Mohamed, Schülerin der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll

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