Als ich Donnerstag das erste Mal beim Taekwondo- Training des TSV RotWeissNiebüll e.V. in der Sporthalle der Carl- Ludwig- Jessen Schule war, dachte ich noch, Taekwondo sei ein „normaler“ Kampfsport. Kicks, Schläge und Kämpfe, so hatte ich mir die 1,5 Stunden vorgestellt. Mit einem Eid hatte ich ganz sicher nicht gerechnet.

„Ich verpflichte mich, die Grundsätze des Taekwondo einzuhalten, meinen Trainer und alle Höhergestellten zu achten, Taekwondo nie zu missbrauchen, mich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen und bei der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten.“

Der Eid des Taekwondo

Mit diesen Worten, auch bekannt als „Eid des Taekwondo“, begann zu meiner Überraschung die Stunde. Sofort war klar, dass es bei diesem Sport nicht nur um „coole moves“, sondern auch um die Vermittlung moralischer Grundsätze geht. Zu diesen gehören Disziplin, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Loyalität und Integrität, wobei unter Letzterer die Fähigkeit, Recht und Unrecht zu unterscheiden, verstanden wird.

Trotzdem gehören Selbstverteidigung und Kicks schwerpunktmäßig mit zum Training, denn Taekwondo ist als „koreanische Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung“ definiert. Die Schüler sollen lernen, sich verteidigen zu können und dabei die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Wort „Taekwondo“ setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen und vereint beide Ideen: „Tae“ bedeutet „Fuß“, „Kwon“ „Faust“ und „Do“ steht für den geistigen Weg und die Entwicklung des Schülers.

 Bevor es damit losgeht, gibt es vorher immer erst ein Aufwärmtraining. So haben wir zuerst ein paar Lockerungsübungen gemacht und anschließend Fußball gespielt. Obwohl es „normales“ Fußball war, hat man gemerkt, dass man sich beim Kampfsporttraining befindet. Solche Kicks habe ich bei einem Spiel noch nie gesehen! Das war total faszinierend und daran war bereits ersichtlich, was mir später von den Schwarzgurten Flemming Brauns und Philipp Kattlun, dem Spartenleiter und Vizepräsidenten des Dachverbandes, bestätigt wurde: Taekwondo geht weit über die Halle und den Sport hinaus und ist für viele Trainierende zu einer Lebenseinstellung geworden.

Anschließend ging es dann „richtig“ los. Auf Kommando wurden verschiedene Stellungen geübt. Jede dieser Stellungen hat ihren eigenen koreanischen Namen. Werden bestimmte Techniken in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt, spricht man von „Hyong“, dem „Formenlauf“. Dieser „Kampf gegen imaginäre Gegner“ setzt sich daraus zusammen, dass man einen bestimmten Angriff potentieller Gegner voraussieht und sich dementsprechend verteidigt. Mit jeder weiteren Gürtelfarbe, die von Weiß bis Schwarz reichen, lernt man neue Techniken dazu, sodass man im Laufe seines Lebens insgesamt 24 Hyongs erlernen kann.

Und glaubt mir: Die einzelnen Stellungen sehen viel einfacher aus, als sie wirklich sind. Auch wenn die Anfangsstellung nicht kompliziert ist, muss man doch auf vieles achten: Ausrichtung der Füße, Schrittlänge etc. Aber man möchte bei seinen Schlägen schließlich auch nicht umfallen… Da ich die Positionen noch nicht kenne, durfte ich lernen, wie man sich verteidigt, wenn man gewürgt wird. Als ich anschließend im Dunkeln nach draußen gegangen bin, habe ich mich tatsächlich schon ein kleines bisschen sicherer gefühlt.

Die letzte halbe Stunde des Trainings bestand aus Übungskämpfen mit Boxhandschuhen und Fußpolstern. Da im Dezember ein Turnier ansteht, werden diese dazu genutzt, Technik sowie Reflexe zu verfeinern. Und natürlich sehen sie beeindruckend aus. Am Ende saßen wir alle zusammen im Kreis und mir wurden die Grundsätze des Taekwondo sowie die Verhaltensregeln in der Halle erklärt. Dazu zählen zum Beispiel: keinen Schmuck tragen, niemanden auslachen und in der Halle nur Wasser trinken. Vor jedem Kampf und beim Betreten und Verlassen der Halle verbeugt man sich. Ich finde, das könnten wir öfters praktizieren, als Zeichen des Respekts vor anderen Menschen, ihrer Tätigkeit, aber auch aus Dankbarkeit dafür, dass wir bestimmte Räumlichkeiten nutzen dürfen. Ich werde versuchen, es mir anzugewöhnen, wenn ich ins Büro komme und auch, wenn ich wieder gehe.

Abschlusskreis

Warum macht man denn jetzt jahrelang Taekwondo? Genau das habe ich die Trainer auch gefragt und bekam als Antwort, dass viele anfangen, um die toll aussehenden Kicks zu lernen, später aber aufgrund der Grundsätze und der sportlichen Gemeinschaft weitermachen. Das kann ich verstehen, ich fand die Bewegungen auch wirklich beeindruckend.

Mein Fazit: Taekwondo macht total viel Spaß und man kann eine Menge lernen. An die Kommandos und das Konzept muss ich mich noch ein bisschen gewöhnen, finde es aber sehr faszinierend. Und meine Liegestütze muss ich unbedingt trainieren…die haben wir am Ende nämlich auch noch gemacht und das hat mir deutlich vor Augen geführt, dass es noch viel Luft nach oben gibt…

Das Training findet in Leck, Niebüll, Galmsbüll und Wimmersbüll statt. Die Zeiten findet ihr auf der Website unter folgendem Link: https://www.tsn-taekwondo.de/die-schulen/

Aufgrund der Corona- Pandemie hat der Verein wie viele andere auch leider einige Mitglieder verloren und würde sich sehr über ein paar neue Gesichter beim Training freuen. Alle Altersklassen sind gern gesehen, ihr seid überall herzlich willkommen und könnt jederzeit zu einem Probetraining vorbeikommen. Meldet euch vorher am besten bei dem auf der Website angegebenen Kontakt.

Ich werde auf jeden Fall weitermachen und wer weiß, vielleicht sehe ich ja bald einen von euch beim Training in Niebüll! 🙂

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