Als wir in die Südtondernhalle kommen, sehen wir zwei Mannschaften gegeneinander Fußball spielen. Eine der beiden Mannschaften hatte die Arme in die roten Leibchen gesteckt und rannte teils unbeholfen hinter der anderen Mannschaft her.

Mit dieser sehr einfachen Übung hat Jochen Bauer, Projektkoordinator von der Kampagne „Faire Sportbälle für SH“ vom Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein, den Schülerinnen und Schülern einer 7. Klasse der Friedrich Paulsen Schule auf ganz einfache Weise aufgezeigt, wie sich unfaires Spiel mit Bällen anfühlt.

Überwiegend unfair gespielt wird heutzutage auch noch in der Ballproduktion. Ähnlich den Zuständen in der Modeindustrie, werden Menschenrechte auch in der Produktion von Sportbällen oft mit Füßen getreten.

Was hat mein Sportball mit Menschenrechten zu tun? Dieser Frage geht das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein im Projekt „Schleswig-Holstein spielt fair!“ in Kooperation mit Fairtrade Initiativen, Schulen, Sportvereinen und interessierten Gruppen in verschiedenen Veranstaltungsformaten auf den Grund und vermittelt wichtige Einblicke in die globale Ballproduktion.

Welches gigantische Geschäftsmodell der Profisport mittlerweile ist, spürt man gerade sehr deutlich. Die Olympischen Winterspiele werden trotz der Pandemielage und der internationalen Kritik an Menschenrechtsverletzungen durchgezogen, die Fußball-WM 2022 in Katar macht Schlagzeilen durch die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen auf den Stadienbaustellen.

Im Schul- und Breitensport ist die Situation zum Glück eine andere. Hier steht meistens noch der Spaß an der Bewegung und am Spiel miteinander im Vordergrund. Trotzdem gibt es auch hier ein Thema, das mit Menschenrechten zu tun hat und dem wir uns in diesem Projekt widmen möchten: Sportbälle – FAIRPLAY – nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes!

Fußbälle, Handbälle oder Volleybälle werden in Fabriken in Ländern des globalen Südens gefertigt, etwa in Pakistan. Die Arbeiterinnen produzieren die Bälle in Handarbeit, unter oft menschenunwürdigen Bedingungen: Arbeitslohn unter dem Existenzminimum, fehlende Arbeitsverträge, kaum oder keine Sozialleistungen, kaum Arbeitsschutz, viel zu lange Arbeitszeiten. Alles für Fußbälle, die es bei uns für teilweise schon unter 10,00 € zu kaufen gibt.
Es gibt aber auch Hersteller, die auf faire und sozial gerechtere Produktionsbedingungen umsteigen und den Arbeiterinnen so Perspektiven schaffen. Unser Spielgerät und die Art und Weise, wie wir es nachfragen und beschaffen hat also unmittelbar mit Arbeits- und Lebensbedingungen anderer Menschen zu tun. Daher haben wir mit Robert Weber, dem Gründer der Bad Boyz Ballfabrik aus Nürnberg über die Ballproduktion gesprochen. Sein 2013 gegründetes Unternehmen lässt in der pakistanischen Stadt Sialkot, der Weltstadt der Ballproduktion, unter Fairtrade Standards produzieren. Von 700 Firmen vor Ort erfüllen nur 6 diese Standards. Darunter fallen neben Qualitätskriterien vor allem auch ökologische und soziale Kriterien. Zu den Sozialstandards gehören zum Beispiel Löhne nach Fairtrade Standards sowie Prämien, Arbeitssicherheit, und Kriterien der Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit wie etwa der Kündigungsschutz bei Schwangerschaft. Die Einhaltung dieser Kriterien wird von der unabhängigen Zertifizierungsstelle FLO-CERT überprüft. Mehr dazu gibt es in der Unternehmenspräsentation „Der Ball ist rund“

Robert Weber mit dem Team von Vision Technologies (Copyright: Robert Weber)

In Kooperation mit der Fairtrade School Friedrich-Paulsen-Schule und der Fairtrade Town Niebüll fand am Mittwoch, 02. Februar 2022, ein erster Schul-Workshop mit der 7.Klasse von Kirsten Lüders des Niebüller Gymnasiums statt. Sonja Hucke, Fachschaftsleiterin für Sport begleitete den spannenden Vormittag. Projektkoordinator von der Kampagne „Faire Sportbälle für SH“ Jochen Bauer vom Bündnis Eine Welt bot den Schülerinnen und Schülern in der Südtondernhalle in einer Unterrichtseinheit spielerische und sportliche Zugänge zu einem Aspekt des Sportgerätes, mit dem sich bisher die wenigsten Menschen auseinandergesetzt haben. Unterstützt wurde Bauer von Klaus Schneider, einem der ehrenamtlichen Multiplikatoren aus dem Weltladen in Norderstedt. Unter anderem gab es ein sehr ungerechtes Fußballspiel. Eine Mannschaft musste mit den Armen unter dem Trikot spielen. Diese einfache Übung hat allen sehr schnell gezeigt, wie schnell man sehr benachteiligt sein kann, wenn die Regeln nicht für alle fair sind. Den Schülerinnen und Schüler hat der Workshop offensichtlich viel Spaß gemacht und auch das Verständnis darüber gestärkt, warum sich die FPS als Fairtrade School engagiert.

Da das Projekt noch bis zum Sommer 2022 läuft, besteht für weitere interessierte Klassen, Schulen und Vereine die Möglichkeit der Teilnahme. Die Fairtrade Town Niebüll lobt anlässlich ihres fünften Geburtstags im März für weitere Workshops noch je 5×5 faire Fußbälle für teilnehmende Gruppen aus Niebüll aus. Von der Steuerungsgruppe der Fairtade Town haben wir die Bälle am Ende der Sportstunde überreichen dürfen.

Neben den Workshops mit Schulen oder Sportvereinen gibt es auch die Möglichkeit, sich als Muliplikator*in schulen zu lassen und selbst aktiv das Thema zu vermitteln. Zusätzlich werden die jeweiligen Verantwortlichen gerne bei der Beschaffung von fairen Sportbällen beraten und in Kombination mit einem Workshop erhalten sie diese zu einem speziellen Kampagnenpreis. Weiterführende Informationen: https://www.bei-sh.org/projekt-faire-sportbaelle-in-schleswig-holstein
Zur Teilnahme daran möchten die Fairtrade Towns in Schleswig-Holstein alle Interessierten ermutigen, weil sie sich in einer globalisierten Welt für mehr Gerechtigkeit, fairen Handel und nachhaltigen Konsum im Sinne der 17 Globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 einsetzen.

Wir finden faire Bälle umweltenbesser und gut kicken kann man damit auch! Der Marktanteil von fairen Bällen in Deutschland liegt derzeit nur bei ca. 0,2 %. Das ist noch erschreckend wenig. Es braucht also ein starkes Team-Fairtrade diesen Rückstand aufzuholen.

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