Diesen Titel trägt das Buch von Arfst Wagner, das einen ganz besonders eigensinnigen Künstler präsentiert: Gustav Mennicke.

Seine Werke können von jetzt bis zum 13.08.2022 in der Stadtbücherei Niebüll bestaunt werden. Die Eröffnung war am 14. Mai.
Am 22.01.1899 wurde Karl Hermann Gustav Mennicke in Petershagen, in Nordrhein-Westfalen geboren. Schon früh wusste er, dass er Maler werden wollte. Seinem Vater gefiel das gar nicht, er wollte, dass sein Sohn „etwas Anständiges“ lernt, nahm dessen Wunsch wörtlich und schickte Mennicke in die Malerlehre. Arfst Wagner – Lehrer, Schriftsteller und Politiker (Mitglied des Bundestages a.D. für die Grünen) – erzählt, dass es dem Künstler tatsächlich geholfen und nicht geschadet hat, auch wenn es nicht das war, was er eigentlich machen wollte. Durch diese Lehre hat er gelernt, mit Flächen und Farben zu arbeiten.

Seinen Traum verfolgte er weiterhin und so studierte er zuerst an der Kunstgewerbeschule in Bielefeld, anschließend an der Kunstakademie Dresden und zog schließlich nach Berlin, wo er mit dem Dichter Ringelnatz zusammenlebte. Von dort aus verschlug es Mennicke und seine Familie nach Föhr, wo sie sich ein Haus in Goting bauten. Den Schornstein dieses Hauses hat Arfst Wagner 1970 als 16-jähriger Junge zwischen Baumkronen entdeckt, als er bei einem Fußballspiel in Nieblum war. Auf die Frage, wer denn in dem Haus wohnen würde, erhielt er die Antwort: „Ein verrückter Maler, der Schafe im Nebel malt.“

Arfst Wagner, Maren Mumme und Kurator Dr. Thomas Gädeke

Ein Jahr später kam er zufällig an dem Haus vorbei und wollte nachsehen, wer denn dieser „verrückte Maler“ sei. Zuerst musste er sich jedoch durch dichte Brennnesseln kämpfen, die den Weg überwucherten. Er rechnete mit einem jungen Maler, der sich ausprobieren wollte und war dementsprechend sehr überrascht, als der 70-jährige Mennicke in der Tür auftauchte. Seine Beschreibung dieses Treffens klingt wie eine Beschreibung einer Szene aus Harry-Potter: Dumpfe Schritte auf einer Treppe, eine knarzende Tür… Ihr habt bestimmt deutlich vor Augen, wie das gewesen sein könnte. Die Nacht saßen die beiden ewig bei Kerzenschein zusammen und redeten. Strom gab es in Mennickes Haus erst wenige Jahre vor seinem Tod.

Und auch sonst hat er sehr abgelegen und einsam gewohnt. Sein Haus auf Föhr haben nur diejenigen gefunden, die wussten, wo sie suchen mussten. Viel Geld hatte der Künstler ebenfalls nicht, seine Werke hat er aber auch nicht zum Verkauf angeboten. Vielmehr ging es ihm um den Prozess des Malens und darum, dass es ihm Spaß macht. Dennoch haben einige Leute Bilder von ihm erworben, die er zum Beispiel gegen Fleisch eingetauscht hat. Liebend gern hat Mennicke Bockwurst der Fleischerei Kopp gegessen. Sein Bild „Friesin“ hängt noch heute im Schlachterladen.

Da sein Atelier sehr klein war und es dort vor allem in den Wintermonaten kaum Licht gab, hat er seine Aquarelle nur im Sommer gemalt. Im Winter hat er vor allem Drucke angefertigt. Wenn man vor Mennickes Gemälden steht, weiß man oft nicht, was darauf abgebildet sein soll. Zumindest ging es mir so, als ich seine Kunst das erste Mal gesehen habe. Das liegt daran, dass er vielmehr versucht hat, die Atmosphäre, Dynamik und Musik von etwas einzufangen, als den eigentlichen Gegenstand abzubilden. So kann es durchaus etwas dauern, bis man Menschen oder Häuser auf seinen Bildern erkennt. Arfst Wagner erzählt, dass es auch sein kann, dass man an unterschiedlichen Tagen unterschiedliche Dinge in den Werken erkennt. Es gibt auch Bilder, von denen er immer noch nicht weiß, was darauf abgebildet sein soll.

Eine Qualität, die Mennicke auszeichnete, war seine Ehrlichkeit. So hat er befreundeten Künstlern auch gesagt, wenn ihm ihre Bilder nicht gefallen haben. Er selbst wollte sich keinem Stil zuordnen, ist aber um den Expressionismus herum einzuordnen, wenn man diese Kategorisierung denn vornehmen möchte. Mennickes Werk entstammt also der selben Epoche, in der auch Emil Nolde hier in Nordfriesland tätig war.

In einer kurzen Dokumentation auf Youtube erklärt er, was ihn angetrieben hat und wofür er malt. Sehr spannend zu hören, wie er selbst sein Leben eingeschätzt hat.

Jetzt könnt ihr euch in der Stadtbücherei Niebüll selbst ein Bild davon machen, wie dieser Künstler die Welt darstellen wollte und welche Stimmungen er eingefangen hat. Kuratiert wurde diese Ausstellung von Dr. Thomas Gädeke, der die Stadtbücherei Niebüll seit vielen Jahren bei Kunstausstellungen berät und gemeinsam mit Büchereileiterin Maren Mumme die Ausstellung eröffnen wird.

Schaut in den nächsten Monaten unbedingt mal in der Bücherei vorbei. Wer weiß, vielleicht findet ihr Schafe im Nebel auf Bildern, die eigentlich einen ganz anderen Titel haben.

Öffnungszeiten der Stadtbücherei Niebüll: Mo, Di, Do, Fr von 9.30 – 13 und 15 – 18 Uhr, Sa 10 – 12 Uhr, Mi geschlossen.

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