Die meisten werden Carsta Betty Löck gar nicht kennen. Viele kennen aber die Krösa Maja aus Astrid Lindgrends Geschichten über Michel aus Lönneberga. Relativ unbekannt dürfte sein, dass Carsta Löck aus Deezbüll, einem heutigen Teil von Niebüll, stammt und Michels Oma gespielt hat.

Die Husumer Filmtage, vom 29.09. – 05.10.2022 widmen der nordfriesischen Schauspielerin, die in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden wäre, nun einen Gedenktag mit 3 Filmen: Am 04.10.2022 zeigt das Kino-Center Husum gleich drei Filme. Los geht es um 15:00 Uhr mit „Immer dieser Michel“, um 17:45 Uhr „Die Buntkarierten“ und um 19:30 Uhr „Vier Stunden von Elbe 1“ (Beitragsbild aus diesem Film).

Hans-Peter Schweger, ehemaliger Direktor der Volkshochschule Husum und Kuratoriumssprecher der Husumer Filmtage hat das Leben der Schauspielerin nachvollzogen: „Am 28.12.1902 wird Carsta Betty Löck in Deezbüll bei Niebüll geboren, sie ist das dritte Kind von insgesamt fünfen. Der Vater stammt aus Tondern, die Mutter aus einem Morsumer Bauerngeschlecht. Bald lässt sich die Familie in Kiel nieder, wo der Vater als Schiffsmakler arbeitet. Nach der Schulzeit versucht sie sich als Plakatmalerin. Nebenbei tritt sie als Rezitatorin auf und nimmt Sprechunterricht bei einem Schauspieler des Stadttheaters. Er verschafft ihr auch die erste kleine Theaterrolle. Am 03.03.1924 steht sie zusammen mit ihrem Freund Hans Söhnker in August Strindbergs „Kameraden“ auf der Bühne. Wegen der Erkrankung der älteren Schwester Marie, die mit Mann und zwei Kindern in Berlin lebt, zieht sie in die Hauptstadt, um der Familie zur Hand zu gehen. Nachdem die Schwester wieder gesund ist, bleibt sie in Berlin und versucht ihr Glück bei einigen Theatern. 1927 lernt sie den Bühnenmeister Karl Eckert kennen, der ihr Lebenspartner und ab 1945 ihr Ehemann wird. Der Beginn ihrer Filmlaufbahn trifft fatal mit der Errichtung des „dritten Reiches“ zusammen. Mit der Darstellung der dümmlich-verschlagenen Magd Sofie in „Krach um Jolanthe“ erlangt sie schnell überregional Popularität, vor allem als sie diese Rolle auch im Film darstellt. Mit der Blondheit ihres norddeutschen Aussehens entspricht sie dem jetzt propagierten Idealbild der „deutschen Frau“. Sie wird gezielt ihrem Typus entsprechend eingesetzt als Magd oder Dienstbotin. Aber auch im Zusammenspiel mit Henrich George oder Ingrid Bergmann kann sie zeigen, dass sie Rollen entwickeln kann. Daneben spielt sie weiterhin Theater auf den Bühnen Berlins. Ihre Domäne ist die Komödie, was auch bei ihrer Fronttheatertätigkeit zum Ausdruck kommt. Nach dem Krieg spielt sie zunächst wieder Theater, vor allem mit ihrem Lieblingsregisseur Boleslaw Barlog. Auch bei den neu gegründeten Rundfunksendern wird sie engagiert für zahlreiche Hörspiele. 1947 spielt sie zusammen mit Viktor de Kowa im Film „Zwischen gestern und morgen“ und in Rudolf Jugerts „Film ohne Titel“, in dem Hildegard Knef und Hans Söhnker die Hautrollen spielten. Ein Jahr später ist sie in den DEFA-Produktionen „Die fünf Kuckucks“ und „Die Buntkarierten“ in Nebenrollen zu sehen. Im Hamburger Theater im Zimmer ist sie mal nicht als Magd unterwegs. Sie spielt im Ein-Personenstück „Vor dem Frühstück“ von Eugene O´Neill unter der Regie von Hellmut Gmelin.

1951 spielt Carsta Löck ihre erste Hautrolle im Film „Das späte Mädchen“. Hier spielt sie die Hausdame in einem Wochenendhotel, die sich den romanschreibenden Stammgast verliebt und überzeugt das Publikum durch echte Menschlichkeit. Danach folgen wieder viele Filmkomödien und leichte Bühnenkost mit vielen kleinen Nebenrollen. Im Jahr 1955 ist sie zum ersten Mal im neuen Medium Fernsehen zu sehen in „Der seelige Christopher Bohn“. Danach wirkt sie mit in „Tierarzt Dr. Vlimmen“ als Bauersfrau Kleef an der Seite von Bernhard Wicki und in zwei Heidefilmen „Heidemelodie“ und „Drei Birken auf der Heide“ (1956). Zusammen mit Hans Albers steht sie in dem Film „Der Greifer“ (1958) vor der Kamera. Unter der Regie von Hans Abich spielt sie Ida Jungmann, der gute Geist im Hause des Konsuls Buddenbrook in „Buddenbrooks“ (1959). In „Vier Stunden vor Elbe 1“ bekommt sie ihre erste Hauptrolle im Fernsehen (1968) als Klara Andresen, die ein Seemannsfrauenheim in Brunsbüttelkoog leitet. Das Drehbuch der NDR-Produktion hat Helga Feddersen geschrieben, die auch mitspielt. Dadurch erlangte Carsta Löck wieder überregionale Popularität. Es folgen eine Episode in der NDR-Serie „Hafenkrankenhaus“, eine Rolle in Jürgen Rolands Krimi „Einer fehlt beim Kurkonzert“ und ein Auftritt in der „Haifischbar“ (1969). Das schwedische Filminstitut und Stella-Film, München verfilmen Astrid Lindgrens Kinderbuch „Michel aus Lönneberger“. Hier spielt Carsta Löck die Krösa Maja in allen Folgen. Ihr letzter Film ist eine „Klamotte“ aus der Serie der Dieter-Hallervorden-Filme: „Der Schnüffler“ (1983). Ihre letzte Theateraufführung findet am 02. März 1985 im Hansa-Theater in Berlin Moabit statt mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ als Giftmischerin Martha Brewster. Am 2. Juni 1989 verleiht ihr der Bundesinnenminister Schäuble für langjähriges Wirken im deutschen Film das Filmband in Gold. Carsta Löck hat in 126 Filmen und 17 Fernsehrollen mitgewirkt, in 82 Theaterproduktionen mitgespielt und in 21 Hörspielen für den Rundfunk ihre Stimme und Rolle gegeben.
Gestorben ist Carsta Löck am 19. Oktober 1993 in Berlin. Einen nachvollziehbaren Hinweis auf Carsta Löck haben wir im Stadtbild leider nicht finden können. Vielleicht wäre das ja ein Projekt für die Zukunft.

Carsta Löck in jungen Jahren

Diese große schauspielerische Lebensleistung ist es wahrlich wert, gewürdigt zu werden. Die Filme sollten sich die Niebüllerinnen und vor allem die Deezbüllerinnen also auf keinen Fall entgehen lassen! Und ein Besuch der Husumer Filmtage lohnt sich ja sowieso auf´s Neue. Freunde alter Filmer werden mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen.

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