Beim Einsatz von Pestiziden in der Nahrungsmittelproduktion gibt es global große Unterschiede. Während in der EU 175 Pestizidwirkstoffe verboten sind, liegt die Zahl der verbotenen Pestizide in einigen Ländern des Globalen Südens teilweise im unteren zweistelligen Bereich. Hierbei spricht man von Doppelstandards. (Beitragsbild: wuzefe_pixabay)
Viele hochgefährliche Pestizide können starke Gesundheits- und Umweltschäden verursachen. Gerade in ärmeren Regionen der Welt kann ein sachgemäßer Umgang damit, inklusive Lagerung und Entsorgung, gar nicht gewährleistet werden. Für deutsche Pestizidhersteller wie Bayer und BASF macht der Verkauf von Pestiziden einen erheblichen Teil ihres Jahresumsatzes aus. Der INKOTA netzwerk e.V. nennt hier eine Studie aus Kenia, die zeigt, dass im Jahr 2020 33 % der von Bayer in Kenia verkauften Pestizidmengen in der EU verboten sind und nennt als Beispiel Beta-Cyfluthrin, das so giftig ist, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO dieses Insektizid, das in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von Insekten eingesetzt wird, die Baumwolle, Rasen, Zierpflanzen, Hopfen, Getreide, Mais, Obst und Kartoffeln befallen, in die zweithöchste Gefahrenklasse aufgenommen hat.
Besonders gefährdet sind hier die Menschen, die diese Mittel oft ohne Schutzkleidung versprühen, weil das Klima zu heiß, die Schutzkleidung zu teuer oder nicht zu bekommen ist. Und gefährlich werden die Pestizide natürlich auch während der Ernte und Verarbeitung der Ernte sowie beim Verzehr. Nun stellt sich hier schnell die Frage, ob mit Pestiziden bearbeitete Lebensmittel im Supermarkt gekennzeichnet sind? Hier gibt es leider keine Kennzeichnungspflicht. Verbraucher*innen müssen also anders herangehen. Ware, die mit Bio-Siegeln versehen ist, ist meist weniger belastet und Waren aus der EU sind häufig strenger kontrolliert als aus Nicht-EU-Staaten. Genauso kann auf Regionalität und Saisonalität geachtet werden, weil hier Lager- und Transportzeiten geringer sind. Man kann sich auch Kooperativen wie einer Solidatischen Landwirtschaft, wie bei uns die SolaWi Kirchenhof Klixbüll oder dem Verein Go!müse anschließen, dann weiß man ganz genau, wo die Waren herkommen und wie sie produziert werden. Zuhause kann man Obst, Gemüse und landwirtschaftliche Produkte, wenn möglich waschen, schälen oder abbürsten.
Der Gesetzgeber kann auch einiges tun. Zum Beispiel ein Exportverbot von Pestiziden, die im eigenen Land verboten sind. Eine weitere Möglichkeit ist die Forschung und Förderung biologischer Schädlingsbekämpfung und nachhaltiges Bodenmanagement. Mehr Informationen enthält das Infoblatt Pestizide und Doppelstandard von INKOTA, das hier verlinkt ist.
Einen tiefergehenden Einblick in diese Thematik bietet der Dokumentarfilm der Rosa-Luxemburg-Stiftung „Toxic Harvest“ über die verheerenden Folgen hochgefährlicher Pestizide in Südafrika.
In Kooperation mit dem INKOTA-netzwerk e.V. zeigt das Nachhaltigkeitsforum Niebüll diesen Dokumentarfilm am Sonntag, dem 22. März 2026 um 16.00 Uhr in Eck´s Kino Niebüll. Der Eintritt ist frei.

Der Film zeigt, wie Chemikalien Böden, Wasser und Lebensmittel belasten – mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt. Im Fokus stehen die Lebensgeschichten von Landarbeiter*innen, die täglich den giftigen Stoffen ausgesetzt sind. Sie kämpfen mutig gegen ein ungerechtes und ausbeuterisches System. In der globalisierten Agrarindustrie werden die Widersprüche kapitalistischer Verwertungslogik sichtbar: Ausbeutung von Mensch und Natur trifft auf neokoloniale Strukturen, Rassismus und Sexismus. Der Film blickt hinter die Hochglanzbilder der Agrarkonzerne und stellt unbequeme Fragen: Wer profitiert von diesem System – und wer trägt die Kosten?
Mit aufschlussreichen Expert*inneninterviews, eindrucksvollen Bildern und erschütternden Enthüllungen deckt der Film die Gründe für die fortwährende Nutzung gefährlicher Chemikalien auf: mangelnde Regulierungen und die profitorientierten Strategien großer Agrarkonzerne. Besonders schockierend sind die Doppelstandards im internationalen Handel mit Pestiziden, die es ermöglichen, dass Pestizide, die in einigen Ländern verboten sind, anderswo, wie in Südafrika, bedenkenlos verkauft und eingesetzt werden. Gleichzeitig zeigt der Film Bäuer*innen, die alternative Wege gehen und beweisen, dass Landwirtschaft auch ohne Gifte möglich ist. Ein Film, der aufrüttelt und Hoffnung macht. Gezeigt wird er in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Im Anschluss an den 80minütigen Film findet ein Filmgespräch mit Dr. Silke Bollmohr, Referentin für globale Landwirtschaft und Welternährung, Pestizidexpertin und Ökotoxikologin bei INKOTA über die Inhalte und Fragen zum Film statt. Der Verein Go!müse stellt seine Arbeit im Rahmen der Veranstaltung vor.
Seit mehr als 50 Jahren macht INKOTA-netzwerk e. V. auf globale Missstände aufmerksam und sorgt dafür, dass Politiker*innen und Unternehmen Verantwortung dafür übernehmen. Das finden wir umweltenbesser