Inessa Emmer heißt die Künstlerin, die der Kunstverein Niebüll für seine Frühjahrsausstellung 2026 in Richard Haizmann Museum eingeladen hat. Vom 07. März bis zum 12. April 2026 sind die Werke der Künstlerin unter dem Ausstellungstitel „Reine Drucksachen und mehr“ zu sehen.
Hauptsächlich sind Drucke ausgestellt, klein- wie großformatig. Aber auch einige Skulpturen mit direktem Bezug zu den Drucken erweitern das Ausstellungsangebot. Wir haben Inessa Emmer bei der Anlieferung ihrer Werke, die sie selbst von Düsseldorf nach Niebüll gefahren hat, im Richard Haizmann Museum getroffen und ihr ein paar Fragen stellen können. (Das Titelbild zeigt Erika Spaude, Vorsitzende des Kunstvereins und Inessa Emmer, von links)

Die 1986 in Kasachstan geborene Künstlerin lebt und arbeitet in Düsseldorf und kommt nun erstmalig für eine Einzelausstellung in den Norden. Technisch gesehen sind die Arbeiten von Inessa Emmer sehr außergewöhnlich. Sie arbeitet mit einem sehr eigenen Druckverfahren, bei dem sie dann aber kein technisches Hilfsmittel wie eine Walze verwendet. Stattdessen arbeitet sie mit ihrem Körpergewicht und kann damit unterschiedliche Akzente im Auftrag der Druckfarbe setzen, was gerade bei den sehr großformatigen Drucken eine echte Herausforderung ist.
Dazu erzählt sie uns: „Die Druckgrafik und vor allem der Holzschnitt, ist eine Vervielfältigungstechnik, dies nutze ich auch für mich, nur ein bisschen anders als früher. Druckstöcke, die zugeschnitten und zugesägt werden, verwende ich hin und wieder mehrfach – auch mit anderen Farben. All meine Werke sind Unikate. Jede einzelne Farbe wird von Hand aufgetragen und mit meinem Körpergewicht auf Leinwand oder Papier übertragen. Es gibt allerdings auch eine Ausnahme. Zu jeder Einzelausstellung, wie auch für die im Richard Haizmann Museum, drucke ich eine Edition. Dort verwende ich zwar dasselbe Motiv 10 Mal, aber jede Farbe (hier sind es 6 verschiedene) wird händisch abgezogen. Das heißt, jedes Werk ist ein bisschen anderes, aber mit demselben Motiv. Dies nennt sich „Unikat in Serie“.

Das Werk von Inessa Emmer umfasst einige Serien mit Titeln wie Morph oder Mirrors: „Normalerweis arbeite ich mit witzigen, nicht ganz zum Bild passenden Titeln, auch gerne mit Worten, die vom „aussterben“ bedroht sind wie „Muckefuck“ oder „Brimborium“. Damit möchte ich den Betrachter etwas verwirren und ihn auf eine eigene Reise durch das Bild schicken. Ich möchte nicht diktieren, was zu sehen ist. So begibt sich jeder auf eine eigen Entdeckungstour. Bei den letzten drei Serien habe ich mich tatsächlich aus praktischen Gründen für einen Titel mit Nummerierung entschieden. Die Werkserien zeigen augenscheinlich etwas figuratives, aber beim näheren Betrachten wirkt es abstrakt. Jeder kann sich etwas eigens darunter vorstellen, mal wirkt es floral, mal skulptural…“
„Die Menschen in deinen Bildern haben Tierköpfe, Pflanzenköpfe oder andere Formen. Ich verstehe das als Einladung zu mehr Fantasie und ein bisschen Flucht aus der gelegentlich tristen Realität. Dazu passen ja auch die manchmal unpassenden Titel. Das geht dann so ein bisschen in Richtung Perspektivwechsel und outside the box. Wie ist das zu verstehen?“, wollte ich wissen. – „Naja eigentlich möchte ich den Betrachter in meine Welt einladen, diese mit meinen Augen zu sehen. In meinen Werken verarbeite ich meine Erinnerungen, meine Erlebnisse und was mich beschäftigt. Ich freue mich, wenn meine Bilder im Betrachter Emotionen auslösen.“
Inessa Emmer studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und schloss ihr Studium 2018 als Meisterschülerin ab. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit steht die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld von Malerei und Grafik. Die traditionelle Technik des Holzschnitts dient ihr dabei als Ausgangspunkt, den sie konsequent in eine zeitgenössische Bildsprache überführt.
In ihren meist großformatigen Arbeiten entstehen surreale Bildwelten, bevölkert von hybriden Wesen, floralen Formen und fragmentierten Landschaftsräumen. Diese Bilder sind weniger als erzählerische Szenen zu verstehen, sondern als offene Bildräume, die aus Gedanken, Erinnerungen und inneren Bildern gespeist sind. Durch das Schichten von Farben entstehen druckgrafische Unikate mit stark malerischem Charakter, in denen sich grafische Präzision und freie, intuitive Farbsetzung begegnen.
Flora und Fauna spielen in Emmers Werk eine zentrale Rolle. Pflanzenhafte Strukturen, organische Formen und tierische Anmutungen verbinden sich zu Bildgefügen, die vertraut wirken und zugleich irritieren. Perspektive und Raum lösen sich dabei zunehmend auf, Formen überlagern sich und entwickeln eine eigene Dynamik. Malerische Eingriffe, Pastellölkreiden und irisierende Farbaufträge verstärken die Tiefe und Bewegung der Arbeiten und verleihen ihnen eine körperliche Präsenz.

Es lohnt sich also sehr, in die Bilder von Inessa Emmer einzutauchen und seinen ganz eigenen Emotionen dazu einmal nachzuspüren. Das kann eine spannende Reise sein.
Zu sehen ist die Ausstellung zu folgenden Zeiten:
Di. – Fr., 11.00 – 16.30 Uhr
Sa., 11.00 – 13.00 Uhr
So. und feiertags, 14.00 – 17.00 Uhr
Wer mehr über die Arbeit von Inessa Emmer erfahren möchte, kann ihre Hompage besuchen, www.inessa-emmer.de oder ihr auf Instagram folgen, https://www.instagram.com/inessaemmer/