Der Dezember; ein Monat in dem so viele Bräuche und Rituale gefeiert und zelebriert werden. Welche Rituale gibt es in Nordfriesland? Wie sind sie entstanden? Und warum Rituale und Bräuche wichtig für uns sein können. Lasst uns zum Ende des Jahres mal genauer hinsehen und im Anschluss ein kleines Gedanken- Experiment machen, wenn ihr Lust habt.
A, wie Adventskranz. Man vermutet, dass Johann Hinrich Wichern, ein evangelischer Pfarrer aus Hamburg vor ca. 200 Jahren den Adventskranz erfunden hat. Er leitete dort ein Kinderheim und um den Kindern die lange Wartezeit zu verkürzen, hatte er eine zündende Idee. An einem alten Kutschenrad aus Holz befestigte er Kerzen. Für die Sonntage nahm er große weiße Kerzen und für die Wochentage kleine rote. Das Wagenrad hängte er an die Decke des Saals, in dem alle zum Gebet zusammen-kamen. Jeden Tag wurde nun mit den Kindern eine Kerze entzündet und alle konnten an den Kerzen, die noch nicht brannten zählen, wie viele Tage es noch bis zum heiligen Abend waren. Mit jedem Tag wurde der Raum heller und das Licht bringt auch heute noch für viele eine wärmende Stimmung in die Häuser.
N, wie Nikolaus. Ursprünglich geht der Nikolaus auf den heiligen Nikolaus von Myra zurück. Ein Bischof aus dem 4. Jahrhundert in der Türkei. Er war für seine Freigebigkeit und Wunder bekannt. Seine Geschichte wurde mit dem Nikolaus von Sion verschmolzen und hat sich im Mittelalter zum Brauch des Schenkens am 6. Dezember entwickelt, wobei er zum Schutzpatron der Kinder wurde, die ihn mit ihren geputzten Stiefeln erwarteten. Martin Luther führte in der Reformationszeit das Christkind als neuen Gabenbringer ein, womit sich die Geschenke auf Weihnachten verlegten. Der Nikolaus- Brauch blieb jedoch bestehen.
W, wie Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsbaum hat heidnische Wurzeln. Die immergrünen Zweige galten bei den Germanen als Symbol für Lebenskraft und Fruchtbarkeit und sollten böse Geister vertreiben. Im späten 19. Jahrhundert war es wieder Martin Luther, der diesen Brauch mit dem christlichen verschmelzen lies. Und so verbreitete sich der Weihnachtsbaum, wie wir ihn heute kennen, geschmückt mit Kerzen, Schmuck, Gebäck und vor allem Sternen, als zentrales Symbol für Weihnachten von Deutschland aus, in die ganze Welt.
R, wie Rummelpott. Ein sehr beliebter norddeutscher Brauch an Silvester. An diesem Abend ziehen verkleidete Kinder von Haus zu Haus und singen, oft plattdeutsche Lieder, um Süßigkeiten zu sammeln. Vermutlich geht dieser Brauch bis in das 17. Jahrhundert zurück und könnte seinen Ursprung in den Niederlanden haben. Hier war bereits ab dem 15. Jahrhundert der Rummelpott, ein volkstümliches Musikinstrument. Von dort hat sich der Brauch möglicherweise in den ostfriesischen und niederdeutschen Gebieten verbreitet. Auf Föhr nennt man unser Rummelpott- Laufen „Ütj tu kenknin„. Ursprünglich verkleideten sich die Frauen als Männer und die Männer als Frauen, um den Nachbarn ein frohes neues Jahr zu wünschen. Heute ist die Verkleidung vielfältig. Von Popstars, über Serienhelden und Fantasie Figuren, ist alles dabei. In vielen Altersklassen wird sich schon vor Silvester getroffen, um unter anderem bekannte Lieder mit eigenen Texten zu interpretieren. In der Gruppe zieht man von Haus zu Haus, wo man oft hereingebeten wird, um das Werk vorzusingen. Es ist nicht selten, dass an einigen Stellen lange geredet und beieinander gesessen wird. Eine feuchtfröhliche und gesellige Form unseres Rummelpott- Laufens und ein schöner Besuch, gerade für die älteren Menschen, die vielleicht nicht mehr so viel zum Feiern aus ihren Häusern kommen.

Und damit kommen wir zu einer wichtigen Bedeutung unserer Rituale und Bräuche, wie ich finde. Sie können Sicherheit und Struktur durch ihre Wiederholung geben. Sie fördern das Gefühl der Gemeinschaft und Fürsorge, wie z.B. im letzten Brauch sehr deutlich wird. Zusammenhalt, oder auch Geborgenheit durch viele schöne Erinnerungen. Der Duft von Zimt und Kerzen; wer denkt da nicht sofort an Weihnachten und hat viele eigene Erinnerungen, die lange zurück reichen.
Und dann, am letzten Tag des Jahres, steht Silvester an. „Und was ist mit Feuerwerk?“ Ein Thema, das in unserer Gesellschaft viel diskutiert wird. Und ähnlich wie bei den Bräuchen, hat nicht jeder nur die schönen Erinnerungen und den tollen Anblick, sondern zunehmend auch das Bewusstsein, was das Feuerwerk für Schattenseiten hat. Unbestreitbar und längst belegt sind der Müll und der Feinstaub, den ein Feuerwerk produziert, nicht gut für unsere Umwelt ist. Viele Tiere leiden extrem unter dem Lärm und den Lichteffekten. Ein Thema, das jedes Jahr auch für Unruhe sorgt. Ich möchte offen sein; für mich ist die Geräuschkulisse der Knallerbsen und steigenden Raketen im Hintergrund die Einstimmung auf einen geselligen Abend und die Vorfreude auf einen leckeren Berliner und lieben Besuch. Genau wie „Dinner for one“ im Fernsehen. Ich kenne Familien, die mit einem großen Feuerwerk einem lieben Menschen gedenken, der viel zu jung gestorben ist. Auch ich habe schon eine Rakete mit einem Gruß an meine Oma gezündet, die an Silvester verstarb. Aber ich kenne auch Menschen, die Tiere besitzen, viele wie wir z.B. ein eigenes Pferd oder ein anderes Haustier. Die Tiere leiden häufig unter enormen Stress und Angst; sei es der Lärm, der Geruch, die grellen Lichteffekte oder die Vibrationen, die für sie in ihrer Natur immer Gefahr bedeuten. Und nun? Was ist mit den einen, die z.B. gedenken, einfach feiern und den Anblick genießen? Und den anderen, die sich sorgen? Was ist mit unserer Umwelt, mit den Tieren? Mit den Reet gedeckten Häusern? Ja, es gibt viele Gesetze und Vorschriften, die schützen sollen und gleichzeitig auch eine Branche mit vielen Jobs ermöglicht. Und doch treibt mich dieses Thema wie vermutliche einige von euch, dieses Jahr um. Es gibt mittlerweile Drohnen Shows, die Feuerwerke simulieren und die Entwicklung der Technik schreitet auch auf diesem Gebiet immer weiter voran. Was wäre, wenn jeder nur eine begrenzte Menge an Feuerwerk kaufen kann? Z.B. durch Marken, die die Anzahl bestimmen und das Alter belegen, weil sie nur an volljährige Bürger von der Gemeinde oder der Stadt versendet werden. Sie würden den Müll und den Feinstaub begrenzen; eventuell auch Unfälle reduzieren. Gleichzeitig könnten viele Jobs in der Feuerwerksindustrie erhalten bleiben. Aber ist begrenztes Feuerwerk nicht immer noch zu viel für unsere Tiere? Wenn ich dies in meinen Gedanken durchspiele, dann merke ich, dass sich etwas verändert: Bewusstsein, Verständnis für viele Menschen und ihre unterschiedlichen Ansichten. Offenheit für die Entwicklung der Technik und wachsendes Bewusstsein für den Schutz unserer Erde und unserer Tiere. Wissenschaftliche Artikel besagen, dass Bewusstsein und Verständnis Lösungen schaffen. Je mehr Menschen Bewusstsein und Verständnis entwickeln, desto schneller und nachhaltiger die Lösungen? Zumindest fürs Erste.
Wer schaut dieses Jahr das Feuerwerk der Nachbarn an, anstatt selbst auch eines zu zünden? Wer trifft sich am nächsten Morgen zum gemeinsamen Fegen und entsorgen des Mülls, was unsere Umwelt zumindest ein wenig entlastet und kann sich gleichzeitig ein „Frohes neues Jahr wünschen“ und mal wieder fest drücken? Wer verbringt Silvester mit dem Hund in einer Ferienwohnung abseits des Feuerwerks, oder isst einen Berliner im Stall seiner Tiere, um nach ihnen zu sehen und um sie zu beruhigen? Und wer verkleidet sich so bunt und singt ein tolles Lied bei den älteren Menschen in seiner Umgebung, um ihnen Gesellschaft und Zeit zu schenken? Wer hat noch mehr Ideen und macht sich Gedanken? Kommt alle gut in das neue Jahr, bewusst und mit einem Blick in alle Richtungen und entdeckt dabei viele neue Dinge, die euch und andere wärmen.