Pünktlich zum globalen Aktionsmonat Plastic Free July startet Exit Plastik, das zivilgesellschaftliche Bündnis für Wege aus der Plastikkrise in Deutschland, die Kampagne Plastik und Gesundheit mit dazugehöriger Petition „Lebensmittel ohne Plastik für alle!“
Titelbild: (c) Elien Rijnbeek
Lebensmittel sind heute zu einem Großteil so in Kunststoff verpackt, dass sie direkt damit in Kontakt kommen und das oftmals über einen längeren Zeitraum. In Deutschland sind dies rund 66 %, bei Fleisch und Fisch, Molkereiprodukten und Getränken ist der Anteil sogar noch höher.
Warum ist das ein Problem? Zunächst einmal bestehen die meisten Kunststoffe aus fossilem Material wie Erdöl, werden nur einmal benutzt und landen dann im Müll. Oftmals dort, wo der Müll nicht hingehört, in der Natur. Zwar wird immer damit geworben, dass Kunststoffe recyclingfähig oder aus Recycling-Material besteht, aber letztendlich wurden weltweit nur 9 % des seit den 1950er Jahren produzierten Plastik wirklich recycelt.
In der aktuellen Kampagne geht es ja aber um die Kunststoffverpackungen für Lebensmittel. In dem Kunststoff stecken oft viele toxische Chemikalien. Diese können bei direktem Kontakt mit den Lebensmittel die biologische Barriere überwinden und über die Lebensmittel dann in unserem Organismus landen und diesen schädigen. Dies gilt auch für Mikro- und Nanoplastikpartikel, die sich aus den Kunststoffverpackungen lösen können. Dies kann im „normalen“ Umgang mit den verpackten Lebensmitteln geschehen, durch Drücken, Knicken, beim Öffnen, beim Transport durch Erhitzen oder Einfrieren. Besonders stark sind diese Prozesse beim Kontakt mit Fetten, Säuren. Exit Plastik bezieht sich auf Studien, die gezeigt haben, das Kleinstpartikel über den Blutkreislauf in fast allen Organen nachweisen lassen, vom Gehirn bis zur Plazenta und ungeborenen Kindern.

Die schädigenden Wirkungen setzen dabei nicht sofort ein sondern verstärken sich mit der Anreicherung von Chemikalien und Kunststoffpartikeln. Es wird vermutet, dass dadurch Entzündungsprozesse, zelluläre Schäden und Störungen zentraler, biologischer Systeme begünstigt werden, mit möglich Bezügen zu Herz-Kreislauf, Immun- und Stoffwechselerkrankungen.
Neben der gesundheitlichen Gefahren nimmt Exit Plastik auch die soziale Komponente in den Blick , da gerade Menschen mit geringen Einkommen überwiegend in Plastik verpackte Lebensmittel kaufen müssen, weil sie sich verpackungsarme Alternativen, Mehrwegangebote oder unverpackte Lebensmittel oft nicht leisten können.
Sicherlich wäre ein großer Teil, der heute in Kunststoff verpackter Lebensmittel auch anders verpackbar. Dafür müssten die Alternativen geförder und gefordert werden. Zu oft ergibt man sich dem Schiksal des Marktes. Aber es gibt Wege bei diesem Thema Veränderung anzustoßen. Neben dieser aktuellen Petition bietet der Verein Küste gegen Plastik e.V. zwei Apps an, die der Plastikflut etwas entgegensetzen: Replace Plastic und Replace Einweg.
Hier kommst du zur Seite von Replace Plastic.
Die Stadt Niebüll setzt sich seit Jahren mit den verschiedensten Aktivitäten für einer Verringerung des Plastikmülls ein. Darüber kannst du mehr über den angefügten Link nachlesen. https://www.niebuell.de/nachhaltige-stadt/verringerung-von-plastikmuell/
Petition an Bundesumweltminister Carsten Schneider
Sehr geehrter Herr Bundesumweltminister Schneider,
immer mehr wissenschaftliche Studien zeigen, dass unsere Lebensmittel durch Kunststoffverpackungen mit Mikro- und Nanoplastik sowie darin enthaltene weitere chemische Verpackungsbestandteile belastet werden – und dass diese Stoffe in den menschlichen Körper gelangen können.
Die Hinweise auf mögliche gesundheitliche Folgen sind so zahlreich und besorgniserregend, dass weiteres Abwarten nicht verantwortbar ist.
Selbst dort, wo noch Forschungsbedarf besteht, greift das Vorsorgeprinzip:
Wenn ein plausibles Risiko besteht, muss gehandelt werden. Deshalb wenden wir uns mit einer dringenden Forderung an Sie:
Alle Menschen in Deutschland müssen die Möglichkeit haben, Lebensmittel ohne Kunststoffverpackungen in gängigen Supermärkten und Discountern – und ohne Preisaufschlag – kaufen zu können.
Dieses Recht existiert heute nicht. Für die meisten Menschen ist der Alltagseinkauf zwangsläufig mit Kunststoffverpackungen verbunden und damit mit einer vermeidbaren Belastung durch Mikro- und Nanoplastik sowie weiteren chemischen Verpackungsbestandteilen, die in Lebensmittel übergehen können. Besonders betroffen sind Kinder, Familien und Menschen mit geringem Einkommen, die kaum Zugang zu verpackungsarmen Alternativen haben.
Die Fakten sind eindeutig:
- Über 50 % der vom Menschen aufgenommenen Plastikpartikel stammen aus Lebensmitteln und Getränken.
- Fast die Hälfte der heutigen Lebensmittelverpackungen aus Plastik ist unnötig oder durch andere Materialien ersetzbar.
- Plastikarme und plastikfreie Mehrwegangebote, lose Ware und verpackungsarme Systeme funktionieren – sie werden im Massenmarkt jedoch nicht bereitgestellt.
Damit werden Tag für Tag vermeidbare Gesundheitsrisiken in Kauf genommen, obwohl praktikable und sichere Alternativen existieren.
Das Vorsorgeprinzip, das in Deutschland und der EU gilt, verpflichtet dazu, bei erkennbaren Risiken für Gesundheit und Umwelt präventiv zu handeln – bevor irreversible Schäden für Verbraucher:innen entstehen. Die wissenschaftliche Lage zu Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln ist heute so eindeutig, dass weiteres Abwarten nicht mehr zu rechtfertigen ist.
Nicht zu handeln bedeutet, die schleichende Belastung unserer Lebensmittel und unserer Körper fortzusetzen. Plastik zerfällt und gibt Schadstoffe ab – und mit jeder weiteren Einwegverpackung wächst die Belastung.
Wir fordern Sie daher auf, die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein flächendeckendes, bezahlbares und barrierefreies Angebot an plastikfreien oder stark verpackungsreduzierten Lebensmitteln entsteht.
Das bedeutet konkret:
- Plastikfreie Mehrweg-Poolsysteme für Lebensmittel systematisch aufzubauen und zu fördern, verpackungsfreie oder -arme Optionen verbindlich in Supermärkten und Discountern einzuführen,
- Preisgleichheit zwischen Einweg und Mehrweg sicherzustellen, und alle Maßnahmen am Vorsorgeprinzip auszurichten – besonders zum Schutz von Kindern und einkommensschwachen Haushalten.
Das Recht auf gesunde Nahrung darf nicht vom Geldbeutel oder vom Wohnort abhängen. Heute jedoch zwingt das bestehende System Millionen Menschen dazu, ihre Lebensmittel in Kunststoff zu kaufen – und damit bei jedem Einkauf eine vermeidbare Gesundheitsbelastung in Kauf zu nehmen.
Schützen Sie unsere Gesundheit. Helfen Sie mit, ein Ernährungssystem zu schaffen, das niemanden gefährdet und allen Menschen den Zugang zu sicheren, plastikfreien Lebensmitteln ermöglicht.
Hier klicken, um auf die Kampagnen-Webseite zu kommen und die Petition zu unterzeichnen.
Hier kannst Du dir das Kampagnenvideo anschauen.