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Niebüll erinnert sich

Was für ein Geschenk! Fremde Personen schenken dir spontan ihre Zeit und teilen private Erinnerungen mit dir. Das Einzige, was du dafür tust, ist mit einem kleinen Wohnzimmer auf dem Rathausplatz zu sitzen und sie einzuladen.

An diesem Montag ist das geschehen. Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September hat sich Martje Karstens, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stiftung Uhlebüll, die Aktion „Niebüll erinnert sich“ überlegt. Sie hatte mich eingeladen, gemeinsam die Aktion anzubieten. Die Alzheimergesellschaft Nordfriesland hat sich uns auch noch mit einem Infostand angeschlossen.

Wir wollten von den Menschen, die zu uns gekommen sind gerne erfahren, welche Erinnerung sie niemals vergessen möchten, was vielleicht prägend in ihrem Leben war oder ist. Ob Kindheit, Familie, Freundschaft, Liebe, Reisen, Musik oder ein ganz kleiner Moment, der bis heute geblieben ist.

Unser Setting war ein kleines Wohnzimmer mit einem Sofa, zwei Sesseln, einem Tisch mit einem alten Radio, dazu Kaffee und Kekse. Wir waren darauf eingestellt, die Gespräche zu filmen, wenn es gewollt war und es stand ein großes Glas parat, um eine Erinnerung auf einen Zettel schreiben zu können.

Von 14.00 bis 17.00 Uhr haben uns so ganz verschiedene Erinnerungen erreicht. Da gab es eine Art Mittagessen Freundschaft mit einem Mann mit Trisomie 21 im damaligen DRK-Pflegeheim Niebüll Gath, der trotz einer verkürzten Lebenserwartung über 60 Jahre alt geworden ist. Da war dieser reiselustige Mann, der schon über 70 Länder bereist hat, jetzt plant nach Panama und Costa Rica zu fahren und von der türkischen Gastfreundschaft sehr angetan war. Da war die Dame aus Wuppertal, die der Liebe wegen nach Nordfriesland kam. Da war der Mann, der erzählt hat, wie groß die Freiheit war in einem hessischen Dorf aufzuwachsen und wir frei er sich jetzt wieder fühlt, nachdem er nach Nordfriesland gezogen ist. Da waren die beiden Damen – beide ehemalige Lehrerinnen – , die teilweise zeitgleich in Fahretoft und auf Pellworm gewohnt haben, sich aber bis heute nicht persönlich begegnet sind.  Und da war schließlich der junge Mann, der von Demenzerkrankungen in seiner Familie erzählt hat und wie wichtig es ihm ist, Zeit mit seiner Oma zu verbringen und mit ihr zu reden, auch wenn sie oft gar nicht mehr weiß, wer er ist.

Dieser Nachmittag hat uns wirklich bereichert und gezeigt, wie wichtig und schön es ist, miteinander zu reden, sich bewusst zu erinnern und ein bisschen gegen das Vergessen anzugehen. Uns sich gemeinsam erinnern ist doch auch wunderbar. Wenn man auf alte Jugendfreunde trifft, was tut man? Sich erinnern.

Wer mehr zum Thema Alzheimer wissen möchte, findet bei der Alzheimer Gesellschaft Nordfriesland umfangreiche Informationen, https://www.alzheimer-nordfriesland.de/.

Informationen über die Stiftung Uhlebüll gibt es hier, https://www.stiftung-uhlebuell.de .

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